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Visitationsbericht

Hier der Bericht der Schulvisitation.

 

 

Elisabeth-von-Schlieben-Grundschule

Stellungnahme zum Entwurf des Visitationsberichts vom  07. Februar 2011:

 

Angesichts der positiven Rückmeldung zur Schulvisitation von 5.-7.1. 2011 habe ich sehr lange über eine Stellungnahme nachgedacht. Zum einen freuen wir uns (Kollegium, Schüler/innen, Gremien, Eltern und Partner) natürlich sehr über die Beschreibung der Stärken unserer Einrichtung. Auch mit den fairen und sorgfältigen Formulierungen zu unseren Schwächen „können wir eigentlich leben“, denn eine Schule ohne „Baustelle“ wäre für alle Beteiligten eher unrealistisch.

Dennoch habe ich mich, und zwar erst im Zusammenhang mit der Erstellung der Statistik zum Unterrichtsausfall für das 1. Schulhalbjahr 2010/11 und der Anmeldung der Mädchen und Jungen für die kommende Einschulung zu einer Stellungnahme entschieden.

 

Von 326 zur Vertretung angefallener Stunden wurden durch das Kollegium 319 vertreten. 313 der angefallenen Stunden beruhten auf der Krankheit von Kollegen, lediglich 13 Stunden fielen aufgrund von Projekten bzw. Fort- und Weiterbildung an.

Absolut fielen somit 7 Unterrichtsstunden (übrigens alle Sport Klasse 6) aus. Dies entspricht einem Anteil von 0,17% des Unterrichtssolls des 1. Schulhalbjahres und liegt auch diesmal ziemlich sicher unterhalb des Landesdurchschnittes.

 

Deshalb ist es auch sehr erfreulich, dass die Schule im Qualitätsbereich 4, Merkmal 17 „Die Schulleitung plant die Maßnahmen zur Unterrichtsgestaltung effektiv und transparent für alle Beteiligten“ eine 4,0 erreichte und im Visitationsbericht auf Seite 25 dieses Ergebnis noch einmal entsprechend positiv kommentiert wird. Als Grundlage für den geringen oder gänzlich vermiedenen Unterrichtsausfall wird die hohe Einsatzbereitschaft des Kollegiums ebenso benannt, wie eine Vielzahl von geeigneten Maßnahmen seitens der Schulleitung.

 

Aber genauer betrachtet sind diese geeigneten Maßnahmen mit Sicht auf Schule, Lernen und individuelle Förderung aller Mädchen und Jungen eben nicht wirklich geeignete Maßnahmen. Bleiben wir dazu bei der o. g. Ausfallstatistik. Von den 319 vertretenen Stunden wurden 56 Stunden allein durch das Zusammenlegen von Klassen, Gruppen und Kursen abgesichert. 115 Stunden fiel der gemeinsame Unterricht (der Eltern per Bescheid des Schulrates für ihr Kind zugesichert wurde), Förder- oder Teilungsunterricht weg. 93 Stunden erbrachte das Kollegium als Mehrarbeit, davon fast alle Unterrichtsstunden fachgerecht.

 

Angesichts dieser Aufstellung (die übrigens auch für alle vorangegangenen Schuljahre ein ähnliches Bild ergibt) wirkt es ja schon fast verständlich, dass die Schule an anderer Stelle  sicher Schwächen aufweist. So haben wir (wenn auch nur dieses) das Merkmal 2. 9: „Das Handeln der Lehrkräfte ist auf die individuelle Förderung und Differenzierung ausgerichtet“ nur mit 2 (2,63) erreicht und somit die Anforderung des Ministeriums verfehlt.

 

Dieses Ergebnis möchte ich nun aber nicht mehr unkommentiert stehen lassen.

Betrachtet man die Schülerbefragung (welche zwar durchgeführt werden musste, aber ja erst, für alle völlig unverständlich, ab dem Schuljahr 2011/12 Teil der Einschätzung wird) zur Förderung bzw. Forderung, sprechen die Zahlen und Mittelwerte ihre eigene Sprache.

 

 

Teilnehmer

Stimme nicht zu

Stimme eher nicht zu

Stimme eher zu

Stimme voll und ganz zu

nicht bew.

Mittelwert

Standard-Abweichung

Im Unterricht werden leistungsstarke Schüler/innen mit besonderen Aufgaben gefordert.

 

62

 

7

 

6

 

22

 

20

 

7

 

3

 

 

0,99

Im Unterricht werden leistungsschwächere Schüler/innen mit besonderen Aufgaben gefördert.

 

62

 

1

 

2

 

21

 

30

 

8

 

3,48

 

0,66

 

 

An meiner Schule habe ich die Möglichkeit, zusätzlich zum Unterricht beim Lernen gefördert zu werden.

 

62

 

1

 

1

 

17

 

36

 

7

 

3,6

 

0,62

 

 

Des Weiteren erbat ich mir im Ergebnis der mündlichen Rückmeldung vom 7.1.2011 von allen Kolleginnen und Kollegen ihre geplante Förderung für alle Unterrichtsstunden während der Visitationstage. (Sonst sehe ich die Förderpläne der Kinder planmäßig im Zusammenhang mit der Kontrolle der Klassenbücher ein.)

Die Aufzeichnungen machen deutlich, dass für jedes der Kinder im gemeinsamen Unterricht und alle Kinder mit Teilleistungsstörungen individuelle Aufgaben für alle Unterrichtsstunden geplant waren und durchgeführt wurden. An dieser Stelle seinen einmal  nur ein paar Beispiele genannt:

  • Deutsch Klasse 6: kürzere Fabeltexte für Kinder mit LRS und das Mädchen, welches nach dem Rahmenlehrplan für die Schule mit den Förderschwerpunkt „Lernen“ lernt, differenzierte Texte zum Schwierigkeitsgrad der Interpretation für alle anderen Schüler/innen
  • Klasse 5:  verschiedene individuelle Teile des Wochenplanes für drei Schüler/innen im gemeinsamen Unterricht, mehrere Kinder mit Teilleistungsschwächen und weitere Kinder mit  Schwierigkeiten im Lernen,
  • in allen Klasse: das Bereitstellen von zusätzlichen Anschauungsmaterialien oder Hilfsmitteln, ebenso wie die Reduzierungen des Arbeitsumfangs
  • Bei Partner- oder Gruppenarbeit setzte sich dies mit der Einordnung leistungsschwächerer Schüler/innen in starke Gruppen fort.
  • Einzelne Schüler/innen bearbeiteten ganz auf sie abgestimmte individuelle Förderpläne oder andere Teilaufgaben (z. B. Klassen 3 und 6)

Obwohl im Stundenplan ausgewiesen, war es allerdings in keiner der Unterrichtsstunden möglich einen Zweitlehrer einzusetzen, da wegen Krankheit der komplette Unterricht in den Klassen 1 und 2 zur Vertretung anfiel. (Sonderpädagoginnen stehen für nur 7 der 19 Stunden im gemeinsamen Unterricht an zwei Schultagen zur Verfügung.)

Auch aus den von mir regelmäßig durchgeführten Hospitationen, dem kontinuierlichen Austausch in Lehrer- oder Klassenkonferenzen zu einzelnen Schüler/innen oder Schülergruppen, sowie aus den Fallgesprächen zu Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiß ich, dass unserem Kollegium trotz des immer wieder wegfallenden Förder- und Teilungsunterrichtes +  Stunden im gemeinsamen Unterricht und der hohen Mehrbelastung über das Stundensoll hinaus, die individuelle Förderung der Mädchen und Jungen außerordentlich wichtig ist. Nicht ohne Grund sehen wir in diesem Schuljahr die optimale Ausgestaltung der individuellen Lernzeit als wichtige pädagogische Aufgabe an.

 

Sicher ist eine Schulvisitation nur eine Momentaufnahme und  auch Fehleinschätzungen sind möglich. Diese Stellungnahme ist daher auch nicht als Kritik an der Arbeitsweise oder den Wertungen von Frau Foerster oder Herrn Giese zu verstehen. Vielmehr möchte ich vorrangig aus Sicht der Schulleitung auf das Paradoxon zwischen einzelnen Anforderungsmerkmalen innerhalb des Qualitätsrahmens seitens des Ministeriums aufmerksam machen.

Wenn eine Schule dem Anspruch an die individuelle Förderung und Forderung aller Kinder auf Dauer gerecht werden soll, dann muss der Pool der Stunden für zusätzliche pädagogische Maßnahmen nicht wie bisher in jedem Schuljahr gekürzt, sondern maßgeblich aufgestockt werden. Dazu kommt, dass bei aller Einsatzbereitschaft der Kolleg/innen an der Schule und trotz derer eigenen intensiven Fort- und Weiterbildung dringend der flächendeckende Einsatz von Sonderpädagogen gelingen muss.

Wenn sich nach der Schulaufnahme 2011 bei 27 Schulanfängern (davon 5 Rücksteller aus 2010) folgendes Bild ergibt, bekräftigt dies meine vorangestellte Forderung:

  • 7 Elternhäuser stellten einen Antrag zur Prüfung sonderpädagogischen Förderbedarfs,
  • weitere 4 Kinder haben Auffälligkeiten in der Sozialkompetenz, der Sprache oder ihrer emotionalen Entwicklung mit der Notwendigkeit der Beobachtung
  • 3 Kinder sind nicht schulreif

Heißt im Klartext, dass von den dann verbleibenden 24 Schulanfängern ca. die Hälfte schon bei Schuleintritt eine engmaschige individuelle Betreuung benötigt, die weitaus größer sein muss, als sie ein Klassenleiter der 1. Klasse ohne zusätzliche pädagogische Maßnahmen leisten können wird.

 

Wenn wir im Ergebnis der Schulvisitation (und auch im Ergebnis des Ländervergleiches) unser Augenmerk in Zukunft noch mehr als bisher auf die Forderung und Förderung unsere Kinder richten werden, werde ich in der nächsten Ausfallstatistik wahrscheinlich andere Zahlen schreiben müssen. Wiederum bringt mich diese Aussage ja schon in einen neuen Widerspruch - nämlich in den mit der Verlässlichkeit unserer Halbtagsgrundschule.

Und so werden das Kollegium und alle Gremien der Schule in ihren Beratungen zum Ergebnis der Schulvisitation entscheiden müssen, welche „Baustelle“ für unsere Kinder Priorität haben wird.

 

Iris Meier

Schulleiterin                                                                                      Halbe, 07. März 2011